A Travellerspoint blog

Tag 02

Fröhliches Wiedersehen mit Rio

sunny 26 °C

Der Flug war sehr ruhig gewesen. Zum Frühstück um 5:00 Uhr gab es Rührei mit Spinat und Käse. Eine Semmel mit Fruchtaufstrich, weil Marmelade darf man anscheinend nicht mehr sagen, gehörte auch dazu. Über Spanien, Marokko, Mauretanien und quer über den Atlantik erreichten wir nach 10 Stunden und 35 Minuten nach 9.563 km um 06: 40 Uhr den Südamerikanischen Kontinent. Als ich 2010 in Rio gelandet bin, holte ich meinen Lieblingskoffer mit schweren Schäden vom Gepäcksband ab. Auf den Weg dorthin betete ich dafür, dass ich diesmal einen ganzen Koffer in Empfang nehmen könnte. Es war auch so. Margret kaufte noch schnell im Dutyfree Laden etwas ein.

In Rio war es sieben Uhr morgens und wegen der Zeitverschiebung von 4 Stunden (Rio 7:00 Uhr morgens = Wien 11 Uhr Mittag) war es in der Heimat bereits gegen Mittag. Um diese Zeitumstellung schneller zu bewältigen, ist es notwendig trotz Müdigkeit nicht schlafen zu gehen, sondern den Tag nach der neuen Zeit zu leben. Margret hatte im Internet eine Pousada gefunden, die von zwei deutschen Brüdern betrieben wird. Sie bieten Hotelaufenthalte mit Stadtführungen an. Leider ist ihr Hotel mitten in der Pampa und nicht direkt am Strand– wäre wunderschön gelegen bei einem längeren Aufenthalt und bei Anmietung eines Autos. Da wir aber in Rio nur wenig Zeit zur Verfügung haben, entschieden wir uns doch für das bereits gebuchte Hotel an der Copacabana.

Es ergab sich aber ein netter Mailverkehr und wir entschlossen uns, uns von den Brüdern Maik und Rupert am Flughafen abholen zu lassen und mit ihnen eine Stadtrundfahrt durch ihre neue Heimatstadt zu machen. Sicher könnten sie uns auch Tipps für unseren weiteren Aufenthalt in der Stadt geben. Ich war ja schon in Rio gewesen und so müsste mir einiges bekannt vorkommen, obwohl sich vieles verändert haben muss, wegen der Großveranstaltungen, die mittlerweile in Rio stattgefunden haben.

Rupert und Maik mit ihrem Bully

Rupert und Maik mit ihrem Bully

Mit Namensschild wurden wir erwartet und von den Herren mit ihrem kleinen Sohn zum Auto gebracht. Ein weißer VW Bully wartete auf uns und ich kam mir so vor als 1981, wo uns Harald ebenso mit einem umgebauten Campingbus erwartet hatte. Der Flughafen Galeao liegt im Norden der Stadt. Unser Hotel an der Copacabana im Süden. Auf dem Weg dorthin liegen viele der Hauptsehenswürdigkeiten und so war es ideal mit dieser Rundfahrt zu beginnen. Den ersten Halt machten wir beim Sambodrom, das vom berühmten Architekten Oscar Niemeyer 1984 erbaut wurde. In der 700 m langen Arena finden 88.500 Personen auf den Tribünen Platz, um die vorbeiziehende Parade der Sambaschulen zu genießen. Das Ende der Straße wird von einem Bogen abgeschlossen. Dem südamerikanischen Playboy Niemeyer sagt man nach, dass er einen Damenpo als Vorbild nahm.

Sambodrom in Rio

Sambodrom in Rio

Von hier aus hat man einen schönen Blick auf das Villenviertel, in dem sich früher viele Botschaften befanden. Natürlich wäre es schade in Rio gewesen zu sein und der Christus Statue auf dem Corcovado keinen Besuch abgestattet zu haben. Das letzte Mal haben wir den 710 Meter hohen Granitblock mit der Zahnradbahn erobert. Diesmal würden wir die Bergstraße durch den fast 40 km² großen Regenwald von Tijuca nehmen. Der Nationalpark ist das größte, von einer Stadt umgebene städtische Waldgebiet der Welt.

Eine sehr schmale, gepflasterte Straße führte uns zu einem Parkplatz, wo wir den Eintritt bezahlten konnten. 41 Real etwa 10 Euro kostete der Besuch der Christus Statue. Vom Parkplatz aus ging es mit Shuttlebussen bis unter den Gipfel und von dort aus erreicht man die Statue mit Lift und Rolltreppe. In den vergangenen Jahren wurden etwa 3 Millionen Euro in die Erhaltung des Wahrzeichens der Stadt investiert. Etwa 2 Millionen Besucher jährlich genießen den atemberaubenden Blick über die in der Guaranabucht gelegene Stadt.

Christus Statue auf dem Corcovado

Christus Statue auf dem Corcovado

Die im Art Deco Stil 1931 errichtete Statue ist 30 m hoch. Im 8 m hohen Sockel darunter befindet sich eine der Heiligen Maria geweihte Kapelle. Die Spannweite der Arme beträgt 18 Meter. Baumaterial im Gesamtgewicht von 1.145 Tonnen wurden zum Großteil mit der Schrägseilbahn zum Gipfel transportiert. Mittlerweile gibt es viele Nachbauten, sodass diese Christusstatue nur noch die sechsthöchste der Welt ist. Von hier aus sieht man die berühmten Strände Rios – die Copacabana und Ipanema und wenn es nicht gerade Nebel gibt, kann man sogar bis nach Niteroi sehen. Unter dem Corcovado genannt „der Bucklige“ liegt das Fußballstadion Maracana.

Blick auf den Zuckerhut

Blick auf den Zuckerhut

Sonntags sind natürlich nicht nur Touristen, sondern auch viele Einheimische unterwegs. Desto später es wurde desto mehr Menschen versammelten sich um die Statue. Deshalb wurde es für uns Zeit, diesen herrlichen Ort zu verlassen und uns der nächsten Sehenswürdigkeit zuzuwenden. Wer weiß, was Maik und Rupert noch für Überraschungen für uns hatten. Auf halber Höhe hielten sie nochmals an, denn da sollte sich ein wunderschöner Aussichtspunkt befinden. Und tatsächlich, hier hatte man einen vollkommenen Blick auf Christus und die wunderschöne Umgebung. Voller Demut stand ich da und sagte Dank für all das Schöne, was mir im heurigen Jahr widerfuhr.

Christo Redentor – die Erlöser Statue

Christo Redentor – die Erlöser Statue

Selten sieht man in einer Stadt arm und reich so eng neben einander leben. Die sogenannten Favelas sind aber keine Slums und auch keine richtigen „Armenviertel“, sondern eben Orte, wo ärmere Leute wohnen. Maik und Rupert haben als sie nach Südamerika ausgewandert sind, selbst in einer Favela gewohnt. Dort haben sie auch ihre Frauen kennengelernt. Später würden auch wir das Leben in einer Favela hautnah kennenlernen.

Favela

Favela

Früher wurden die Hütten meist aus Holz gebaut. Heute werden Ziegel verwendet, die in mühevoller Schwerstarbeit die steilen Hänge hochgetragen werden. Im Tal werden die Baustoffe gelagert und es herrscht eine solche Solidarität unter den Bewohnern, dass jeder der eine freie Hand hat, für den anderen etwas hochträgt. Es gibt auch sehr fortschrittliche Favelas, bei denen sogar eine Standseilbahn nach oben führt. Wasser, Strom und Kanal gibt es mittlerweile auch.

Vom nächsten Hügel auf den wir hochfuhren, hatten wir einen schönen Überblick über die andere Seite der Stadt. Hier warfen wir den ersten Blick auf den Hafen, von wo aus unser Schiff am Ersten auslaufen würde. Mittlerweile war es Mittag geworden und wir verspürten Hunger. Wir fanden eine kleine Kneipe, die offen hatte. Zufällig war der Besitzer auch ein Auswanderer aus Deutschland. Er klagte uns sein Leid während das Essen zubereitet worden war. Erst am Abend davor waren zwei Häuser weiter zwei Kneipen überfallen worden und auch er denk schon über das Zusperren nach 18 Jahren nach. Die Besucher fallen aus, weil sie sich am Abend nicht mehr auf die Straße trauen.

Im Stadtviertel Santa Teresa begegnete uns eine Straßenbahn und Maik sagte, dass er uns zeigen würde, wo wir im Zentrum den kleinen Bahnhof finden würden, von wo aus sie startet. Überhaupt gab er uns immer wieder Hinweise, was wir in den nächsten Tagen ansehen konnten. Wieder hatten wir uns gedreht und konnten so eine andere Seite der Stadt kennenlernen. Die neue Kathedrale tauchte unter uns auf und wir kamen dem Zuckerhut sehr nahe. Natürlich durfte auch ein Besuch in Sao Bento nicht fehlen. In diesem Kloster ist eine der besten Knabenschulen der Stadt untergebracht. Das Schulgeld dafür können sich aber nur die Reichen leisten. Die Kirche ist reichlich dekoriert und mit vielen Altären ausgestattet.

Sao Bento

Sao Bento

Von der Terrasse aus hat man einen guten Blick auf das Hafengelände. Hier wurde eine Straße beseitigt und mit dem Schutt eine künstliche Insel angelegt. Auf dieser wurde ein Gebäude für die Feierlichkeiten der Olympischen Spiele erreicht. Heute befindet sich ein Museum darin.

Museum im Hafen von Rio

Museum im Hafen von Rio

Endlich waren wir dann in der Altstadt von Rio angekommen. Die Fassade des alten Domes spiegelte sich hier noch immer im daneben errichteten Hochhaus. Ich konnte mich allerdings daran erinnern, dass der Platz von der Stadtautobahn auf Stelzen geführt, begrenzt wurde. Diese Durchzugsstraße wurde abgerissen und unterirdisch weitergeführt. Hier wurde auch ein über 6 km langer Park anlässlich der Olympiade angelegt.

Regierungsgebäude Rio

Regierungsgebäude Rio

Der nächste Stadtteil, den wir besuchten, hatte sich zum Künstlerviertel gemausert. Großen Anteil am Aufstieg des Viertels hat der Künstler Jorge Serlaron. Dieser hat mit bunten Fliesen aus aller Welt die 125 m lange Rua Caneiro bis zum Convent Santa Teresa verfliest. Der Künstler selbst hat sich gerne als schwangere Schwarze dargestellt. Sogar Fliesen aus Österreich haben wir gefunden.

Escadaria Selaron

Escadaria Selaron

Porträt Künstler

Porträt Künstler

Danach hatten wir Kunst aus Beton. Eigenartig mutet die neue Kathedrale von Außen an. Innen sind vier bunte Glasfenster, die sich im Plafont zum Kreuz vereinen. Die Schwarze Modanna, die sich in einer kleinen Kapelle hinter dem Altar befindet wird gerne von Wallfahrern besucht.

Neue Kathedrale Rio

Neue Kathedrale Rio

Irgendwann hatte Maik gefragt, ob wir noch können Wir hatten schon die Selaron Treppe nicht mehr bestiegen. Jetzt hatte uns die Zeitumstellung erreicht. Aber irgendwo wollten wir noch Geld aus einem Bankomaten holen. Dazu fuhren wir in die Favela, wo die Herren früher gewohnt hatten. Dort würde es auch die Gelegenheit geben, eine Führung durch die Favela zu machen. Geld kam leider keines aus dem Automaten, aber Maik konnte uns Real vorschießen, damit wir hier etwas trinken konnten. Schnell eilten die Bewohner herbei, um ihre ehemaligen Nachbarn zu begrüßen. Wir konnten uns in ihrer Begleitung sicher fühlen. Fremde werden nicht geduldet. Man glaubt, sie kommen hierher um sich mit Drogen einzudecken.

Wir wurden jedoch herzlich eingeladen in der kleinen Bar Platz zu nehmen. Maik bestellte ein Bier mit vier Gläsern. Hier ist es üblich, sich das Bier zu teilen, damit der Rest in der Flasche nicht warm wird. Danach wird wieder eine Flasche bestellt und geteilt. Es herrschte ein reges Kommen und Gehen. Der Boss der Favela St. Marta ist ein strenger Herr und duldet keine Kriminalität. Wird einer erwischt, kommt er in die „Mikrowelle“, was so viel bedeutet wie, er bekommt einen Mantel aus alten Autoreifen und wird angezündet. Wenn die Polizei kommt, schießt sie scharf. Also Vorsicht ist trotzdem geboten.

Favela Santa Marta

Favela Santa Marta

Die hüsche Carioca, wie die Bewohner von Rio heißen, Salete Martins (www.favelasantamartaturismo.com.br) bietet Führungen durch ihr „Dorf“ an. Es tat uns wirklich leid, dass wir einfach für das Treppensteigen zu müde waren. Aber wir sind sehr dankbar, dass wir beim Sitzen in der Bar an ihrem Leben etwas teilhaben durften. Irgendwie haben wir uns schwer von diesem Ort verabschiedet, denn hier hatten wir das wahre Rio gesehen.

Ein Aussichtspunkt im Nationalpark stand noch auf dem Programm. Auf dieser steilen Straße haben die olympischen Radwettbewerbe stattgefunden. Hier gibt es einen Aussichtspunkt, von dem aus man beide Wahrzeichen Rios zugleich sehen kann, den Corcovado mit der Christus Statue und den Zuckerhut. Maik und Rupert sowie dem Nachwuchsreiseleiter und Künstler Fabio sei auf diesem Wege nochmals herzlichen Dank gesagt. Sie haben sich wirklich sehr bemüht, uns ihre Stadt zu zeigen. Soviel hatten wir nicht erwartet bereits am ersten Tag zu sehen. Wir können sie nur weiterempfehlen. (kontakt@sitio-st-anna.de)

Aussichtspunkt

Aussichtspunkt

Vor dem Royal Rio Palace Hotel, wo wir nach 17:00 Uhr ankamen, überreichten wir ihnen noch einen „Koffer voller Geld“. Wir waren froh, unser Zimmer beziehen zu können. Eigentlich wollten wir nur noch aus unseren Klamotten kommen und ins Bett. Immerhin waren wir bereits zwei Tage unterwegs. Aber ein bisschen Hunger hatten wir doch. Ums Eck gab es ein Subway. Dort aßen wir ein Sandwich und tranken etwas. Danach reichte es uns aber. Margret schlief glaube ich schon ein, während sie sich ins Bett legte. Ich musste noch Duschen. Irgendwie verspürte ich einen Druck von oben, die Welt, die auf mir lastete. Ich ließ mir das Wasser über den Kopf laufen und hatte das Gefühl, dass alles, war schwer war, von mir abfiel. Jetzt konnte unser Urlaub beginnen.

Posted by fegoeskaphorn 16:15 Archived in Brazil

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