A Travellerspoint blog

Tag 05

Wir entern die MS Zaandam

sunny 27 °C

Wir konnten etwas länger schlafen, da wir erst um die Mittagszeit abgeholt werden würden. Beim Frühstück hatten wir schon einige Gäste entdeckt, die auch die Kreuzfahrt auf der MS Zaandam gebucht hatten. Leicht erkennbar waren diese an ihren Kofferanhängern. Wir wollten uns nochmals von der Copacabana verabschieden. So gingen wir die Straße runter, überquerten alle Kreuzungen bei „brasilianischen Grün“ und gelangten nach 5 Minuten an den langen, weißen Sandstrand. Einige Obdachlose schliefen noch in ihren Behausungen.

Obdachlosen Behausung

Obdachlosen Behausung

Der Unterschied zwischen arm und reich ist hier sehr krass. In der ersten Reihe befinden sich die schöneren Hotels, die seit meinem letzten Besuch fast alle renoviert worden waren. In den Reihen danach sind Hotels mit weniger Sternen und die Wolkenkratzer mit den Wohnungen der Mittelschicht. An den Hängen befinden sich die Favelas, wo die Reichen der Armen wohnen. Direkt am Strand schlafen die Mittellosen und haben ihr Hab und Gut in einem Einkaufswagen verstaut, der auch gleichzeitig als Fahrzeug dient. Die Leute, die hier wohnen, haben natürlich keine Freude damit, dass die Obdachlosen an ihrer Türschwelle nächtigen und ihre Notdurft vor ihren schönen Marmor Hauseingängen verrichten. Deshalb und natürlich auch aus Sicherheitsgründen haben sie starke Eisenzäune vor ihren Eingängen errichtet. So wohnt der Reiche hier hinter Gitter.

Wohnen hinter Gitter

Wohnen hinter Gitter

Man versucht sich als Tourist immer unauffällig zu verhalten. Touristen werden hier an ihrem Schuhwerk erkannt. Der Carioca trägt Flipflops. An der Straßenecke neben unserem Hotel gab es ein großes Geschäft, das nur solche verkauft hat. Die Promenade ist sehr sauber und wunderschön gepflastert. Meist in Schwarzweiß. Der afrikanische Flammenbaum hat gerade Feuer gefangen und zeigte seine rote Krone gerade recht für die bevorstehende Adventszeit, die Bougainvilleas hingegen blühten so in allen Farben, bunt wie die Favelas.

Unsere letzten Einkäufe verstauten wie noch im Koffer, denn bis Mittag mussten wir unser Zimmer geräumt haben. Ich rief an der Rezeption an, damit uns ein Boy mit den Koffern behilflich sei. Vor dem Hotel standen immer Taxis bereit. Ein älterer Herr war froh, uns als Fahrgäste ergattert zu haben. Wieder mussten wir vom Süden der Stadt in den Norden fahren, wo der Hafen liegt. Gegen 11:30 Uhr fuhren wir Richtung Zuckerhut und weiter der Küste entlang. Wir passierten nochmals die Stelle, wo das olympische Feuer entzündet worden war und bald danach sahen wir schon den Uhrturm, der am Hafengelände steht. Hinter den großen Hallen sah ich schon ein Schiff mit dem Schriftzug Zaandam. Nach etwa 20 Minuten Fahrt hatten wir unser Ziel erreicht.

Taxi zum Hafen

Taxi zum Hafen

Mit Trinkgeld hatte die Fahrt 50 Real gekostet, wesentlich weniger als vorhergesagt. Als das Taxi hielt, kam schon ein Dienstmann gelaufen, der unser Gepäck auf einen Karen verlud. Meine restlichen Real drückte ich diesen in die Hand. Er brachte uns zur Halle, wo die Koffer verladen wurden. Wir hingegen mussten in die gegenüberliegende Halle, dort wo schon viele andere Menschen auf ihre Verladung warteten. Die, die schon seit 8:30 Uhr gewartet hatten, hatten Nummern bekommen, damit sie auch früher an Bord gehen konnten. Wir mussten ein Gesundheitsformular ausfüllen und bestätigen, dass wir seit zwei Tagen weder Durchfall noch Grippe gehabt hatten. Unser Deck sollte um 15:00 Uhr an Bord gelassen werden. Unseren Entschluss aber schon vor 12:30 Uhr im Hafen zu sein und etwas früher an Bord gehen zu können, bereuten wir nicht. Nach uns kam der große Ansturm.

Der Check In erfolgte ähnlich wie beim Fliegen. Allerdings wurden unsere Pässe in Verwahrung genommen. Dafür wurden wir eingescannt und mit unserer bereits vorhandenen Bordkarte verknüpft. Diese würde uns für die nächsten 17 Tage als Ausweis und Zahlungsmittel dienen. Nur noch ein kurzer Stopp beim Fotografen und schon standen wir am Pier Maua mit Blick auf unser Schiff. Alle Passagiere mussten mit dem Bus zur Gangway gebracht werden, obwohl ich die 100 m gerne entlang des Schiffes gegangen wäre. Die alten Lagerhäuser waren erst 2016 hergerichtet worden und werden jetzt von allen Schifffahrtslinien als Abfertigungshallen verwendet.

Gangway MS Zaandam

Gangway MS Zaandam

Da unsere Kabine schon fertig war, konnten wir unser Handgepäck bereits dort abladen. Margret war schon so neugierig und war ganz erstaunt als wir aufschlossen, dass die Kabine eine angenehme Größe hatte. Sofort verließen wir unsere neue Heimat, um das Schiff ein wenig zu erkunden, bevor der große Ansturm kam. Außerdem gab es am Lido Deck schon ein großes Buffet. Von hier aus hatte man auch eine Gesamtübersicht über das Terminal. Hinter den zwei Abfertigungsgebäuden waren auf einer anderen Halle bunte Gemälde gemalt worden. Wahrscheinlich stellen sie in den bunten Farben der Favelas die Menschen der verschiedenen Kontinente dar, was mich sehr beeindruckte.

Pier Maua

Pier Maua

Bevor wir in See stachen, mussten wir die verpflichtende Rettungsübung durchführen. Wer nicht daran teilnehmen wollte, konnte von Bord gewiesen werden. Im Notfall ist es sehr wichtig zu wissen, was man tun und wohin man gehen muss. Wir haben nur eine Stiege zum Promenadendeck, wo die Rettungsboote aufbewahrt werden. Wir mussten uns am Treffpunkt 7 einfinden. Unsere Bordkarte wurde gescannt und so wusste man genau Bescheid, wer noch fehlte. Alle Fehlenden wurden solange bei Namen aufgerufen, bis die Anzahl stimmte. Die Rettungswesten konnten wir im Kasten lassen, nur mussten wir nachsehen, wo sie sich befinden. Danach konnte jeder wieder seiner Wege gehen.

Lange hatten wir allerdings nicht Zeit, denn wir hatten uns im Rottendam Speisesaal für die erste Tischzeit um 17:45 Uhr eintragen lassen. So gingen wir in unsere Kabine und wechselten die kurze gegen eine lange Hose. Im Speisesaal erwartete uns Wahyu und geleitete uns zu unserem Tisch. Schon vorab hatten wir einen Zweiertisch für uns reservieren lassen. Der lag am Deck 5 im oberen Stock des zweistöckigen Speisesaals mit Blick aus dem hinteren Fenster. Während die Vorspeise serviert wurde, legten wir ab. Bevor der Hauptgang aufgetragen wurde, ging ich zum Fenster, um noch ein letztes Bild von Rio zu machen. Die untergehende Sonne ließ das Meer silbern erscheinen und so wurde uns Rio zum Abschied wie auf einem Silbertablett serviert.

Abschied von Rio

Abschied von Rio

Rindercarparcio, Steak medium rare und Key Lime Pie mundeten köstlich und waren wohl nur Botschafter dessen, was uns während unserer Kreuzfahrt erwarten würde.

Posted by fegoeskaphorn 16:28 Archived in Brazil

Email this entryFacebookStumbleUpon

Table of contents