A Travellerspoint blog

Tag 07

Seetag Auf der Brücke

overcast 20 °C

Während der Nacht haben wir eine Zeitzone überschritten und wir konnten unsere Uhren um eine Stunde zurückstellen. Wie wir jetzt zeitlich zu Europa liegen? Ich weiß es leider nicht mehr und wir werden während unserer Reise die Uhren noch einige Male umstellen müssen. Aber mein Blog wird bei euch immer so gegen Mitternacht erscheinen.

Als wir gegen 06:00 Uhr aus dem Fenster sahen, sahen wir eigentlich nur Nebel und hohe Wellen. Weiße Schaumkronen hatten sich gebildet. Kein Vergleich zum Vortag als die Sonne schien und der Himmel blau war. Auf dem Schiff spürten wir jedoch nichts von diesen Wellen. Die Stabilisatoren erledigten ihre Aufgabe tadellos. Den Weg zum Speisesaal erreichten wir ohne Probleme. Aus der Karte bestellten wir das Frühstück und verbrachten die Wartezeit darauf mit der Betrachtung der Wellen.

Nach so viel Essen (muss aber dazu sagen, dass die servierten Portionen übersichtlicher sind als das, was man sich selbst am Buffet auf den Teller ladet) muss man Bewegung machen. Das haben sich auch andere gedacht und wir zogen unsere Runden am Promenadendeck mit vielen Gleichgesinnten. Es war nicht so richtig bewölkt, sondern es gab eher einen starken Küstennebel. Schon den zweiten Tag haben wir kein Land mehr gesehen. Heute waren wir aber nicht mehr weit davon entfernt, denn wir sahen schon wieder verschiedene Vögel. Südamerika hat an dieser Stelle eine Einbuchtung und es wäre ein viel weiterer Weg, wenn wir die Küste entlang fahren würden. Von Rio bis Punta Este sind über 600 Seemeilen. Neben der Rezeption findet man eine Landkarte mit der genauen Schiffsposition.

Dann wanderten wir wieder zurück zu unserer Kabine. Wandern ist das richtige Wort, denn je nach dem von wo aus man startet, kann der Weg ganz schön weit sein. Die Kabinen – auf diesem amerikanischen Schiff Staterooms genannt – liegen verteilt auf 5 Decks. Die 716 Kabinen werden in 27 Kategorien eingeteilt, wobei 22 davon behindertengerecht ausgestattet sind. Die größte Kabine an Bord ist die Pinnacle Suite auf dem Navigation Deck mit 88 m² mit einem 18 m² großen Balkon. In ihr gibt es ein eigenes Speisezimmer für 8 Personen, eine kleine Küche und zwei Schlafzimmer.

Unsere 18 m² große Außenkabine liegt am Hauptdeck etwa in der Mitte des Schiffes. Es gibt zwei Einzelbetten, eine Sitzecke mit Sofa und einen Schreibtisch. So gibt es kleine, verschieden aufgeteilte Bereiche in Brauntönen gestaltet. Es ist erstaunlich, wie viel Stauraum es auf relativ wenig Fläche geben kann. Es gibt einen Fernseher und sogar einen DVD-Player. Das Bordprogramm bietet eine große Vielfalt an TV-Programmen in verschiedenen Sprachen. Wichtig ist das Tagesprogramm, das man jederzeit abrufen kann. Die Aktivitäten des Tages werden aufgelistet und die Menüs der zahlreichen Restaurants vorgestellt.

Kabine 2621

Kabine 2621

Das Bad ist recht geräumig und mit Badewanne mit integrierter Dusche und WC ausgestattet. Sogar ein Bademantel wird zur Verfügung gestellt. Bettwäsche wird jeden dritten Tag frisch aufgezogen. Handtücher werden, wenn man will, täglich gewechselt. Manchmal werden sie auch missbraucht und zu verschiedenen Tieren geformt. Am Abend fanden wir einen Pinguin in unserer Kabine vor.

Badezimmer

Badezimmer

Um 10:00 Uhr fand eine Präsentation weiterer Ausflugsmöglichkeiten statt. An Bord konnte man noch Landausflüge buchen, falls es noch Plätze gab. In den verschiedenen kleinen Städten gibt es zum Teil keine öffentlichen Verkehrsmittel und die wenigen Taxis sind mit der großen Anzahl der Passagiere auf den Kreuzfahrtschiffen restlos überfordert. Deshalb hatten wir unsere Ausflüge bereits von zu Hause aus über Internet gebucht.

Gleich nach dieser Präsentation fand ebenfalls in der Mandarin Lounge, ein Theater, das 550 Sitzplätze hat, ein virtueller Rundgang auf der Brücke statt. Seit 9/11 ist es auf amerikanischen Schiffen nicht mehr gestattet, die Brücke zu besuchen. Aber der erste Offizier Marco, ein gebürtiger Kroate, der in Irland lebt, wenn er nicht gerade auf einem Schiff unterwegs ist, hat einige Bilder von der Brücke zu einer Präsentation zusammengestellt.

Virtuelle Tour der Brücke

Virtuelle Tour der Brücke

Die MS Zaandam besitzt 5 Motoren, die mit Diesel leicht und schwer betrieben werden können. Mit diesen Motoren werden Generatoren betrieben, die Strom erzeugen. Höchstgeschwindigkeit beträgt 22 Knoten oder 41 km/h. Zwei verschiedene Antriebsstoffe werden deshalb mitgeführt, weil in besonders sensiblen Gegenden aus Umweltschutzgründen nur Diesel leicht verwendet werden darf. Die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt 16 bis 18 Knoten. Zwei Seitenruder werden verwendet. Die verschiedensten Navigationssysteme wurden über ein Computerprogramm gebündelt und werden heute nur noch auf einem einzigen Bildschirm angezeigt. Das Schiff wird mit einem ganz kleinen Joystick gelenkt. Wenn Wale auftauchen, wird auf manuelle Steuerung umgestellt, um ein Ausweichmanöver zu starten. Es gibt spezielle Ausbildungsprogramme für Steuermänner in dieser Gegend, damit sie die verschiedenen Walarten erkennen können und wissen, wie sie reagieren müssen.

Das Schiff hat 3 Anker mit einer jeweils 357 m langen Kette. Eigentlich hält nicht der Anker das Schiff fest, sondern das Gewicht der Kette. Die Stabilisatoren sind 5,4 m lang und gleichen den Wellengang aus.

Stabilisatoren

Stabilisatoren

Es gibt zwei Ingenieure an Bord. Bei Inspektionen wird immer die Sauberkeit des Maschinenraumes gelobt, was die Crew besonders stolz macht. Der Umwelt zuliebe wird Meerwasser an Bord in Nutzwasser umgewandelt und für die Duschen verwendet. Es gibt strenge Vorschriften, wo Abwasser abgelassen werden darf.

Maschinenraum

Maschinenraum

Nach diesem Vortrag war es schon wieder Mittag geworden. Am Lido Deck war das Verdeck vom Pool geöffnet, denn es schien mittlerweile wieder die Sonne. So holten wir uns dort vom Buffet einen Salat und nahmen im Freien unser Mittagessen ein. Nach einem Verdauungsspaziergang hielten wir Mittagsschlaf und irgendwann setzte ich mich auch an mein Netbook und halte damit unsere Erlebnisse fest. Ich habe heute 100 Minuten Internet gekauft und werde somit wieder zum Teil live posten. Nur Bilder gibt es leider keine, denn die brauchen viel zu lange zum Hochladen. Aber so kann ich Grüße an alle übermitteln und euch mitteilen, dass wir es uns gut gehen lassen. Wir nutzen diese zwei Seetage, um uns von den vielen Eindrücken von Rio zu erholen, das Erlebte einzuordnen und in unserem Kopf und Herzen zu verspeichern.

Am Abend waren wir dann mit euch sehr verbunden. Der österreichische Chefkoch, mit dem ich mich mittags kurz unterhalten hatte, hat wohl extra für uns Wienerschnitzel und Apfelstrudel auf die Karte gesetzt. Natürlich mussten wir Martin’s Spezialität versuchen. Danach gab es im Theater eine große Tango Show. Allzu spät wollten wir nicht ins Bett, denn morgen gibt es den ersten Landgang.

Wenn wir erwachen, sollte das Schiff eigentlich schon im Hafenbecken vor Anker liegen. Da unser Schiff zu groß ist, können wir nicht am Pier anlegen und wir werden daher mit Tenderbooten an Land gebracht.

Posted by fegoeskaphorn 16:30 Archived in Brazil

Email this entryFacebookStumbleUpon

Table of contents